Mediation in Erbsachen

Worum es bei der Mediation in Erbsachen geht, ist praktisch schon in der Überschrift angelegt. Es handelt sich um den Tod des Erblassers bzw. der Erblasserin. Statistischen Erhebungen zufolge trifft nur rund ein Drittel aller Erblasser letztwillige Verfügungen in Form eines Testaments oder Erbvertrages. In den übrigen Fällen tritt die gesetzliche Erbfolge ein. Beiden Konstellationen ist gemeinsam, dass sich die Erben kraft Gesetzes in einer Zwangsgemeinschaft befinden, nämlich der Erbengemeinschaft.

Zwangsgemeinschaften erzeugen ohnehin schon bei vielen Widerwillen. Hinzu kommt, dass ein Nachlass regelmäßig nicht nur aus Vermögen und Verbindlichkeiten besteht, sondern auch aus einem Bündel Konflikte. Die Erben, die im Wesentlichen nur gemeinsam über den Nachlass verfügen können und dessen Auseinandersetzung sie regelmäßig betreiben sollten, haben zum Teil aktuelle Konflikte miteinander, zum Teil brechen aber auch alte Konflikte wieder auf. Dies erschwert die Durchführung der gemeinsamen Aufgaben.

Der Erblasser sitzt häufig mit am Tisch der sich Streitenden. Problematisch ist in diesem Zusammenhang auch nicht selten, dass zwischen der Abfassung des Testaments (sofern vorhanden) und dem Erbfall eine gewisse Zeitspanne liegt, in der unterschiedliche Dinge passiert sein können, die das Testament zum Zeitpunkt des Erbfalles für einen oder mehrere Erben gegebenenfalls als ungerecht erscheinen lassen.

Die erbrechtliche Mediation kann ein Weg sein, aus der Verfahrenheit einer zerstrittenen Gemeinschaft herauszufinden. Die Erben sitzen übrigens nicht selten der Fehlvorstellung auf, dass die vorgesehenen Rechtsfolgen eines Testaments von Ihnen zu respektieren sind und nicht einvernehmlich abgeändert werden können. Die Information, dass dies nicht so ist, kann häufig zur Entspannung der Lage beitragen.